Der globale KI-Talentepool steckt mit Blick auf das Thema Geschlechtergerechtigkeit in einer Diversitätskrise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des deutschen ThinkTanks interface bei der Auswertung von Daten von 1,6 Millionen KI-Fachkräften weltweit. Angesichts eines durchschnittlichen Frauenanteils von global nur 22 % über alle Karrierestufen hinweg, der in leitenden Positionen mit einer Frauenquote von knapp 14 % nochmal unterboten wird, sehen die Autorinnen und Autoren akuten Handlungsbedarf, um die Teilhabe von Frauen in diesem zukunftsrelevanten Bereich zu verbessern.
Eine vertiefte Analyse der Geschlechterstruktur des europäischen KI-Markts zeigt jedoch, dass das Problem nicht in allen Ländern gleich stark ausgeprägt ist. Während Spitzenreiter Lettland und Finnland mit Frauenanteilen von 45 % beziehungsweise 43 % ihren KI-Gendergap beinahe geschlossen haben, sind in Schweden und Deutschland nur etwa ein Fünftel der KI-Fachkräfte weiblich. Beide Länder liegen damit hinsichtlich ihres Frauenanteils im Bereich KI noch unter dem EU-Durchschnitt von 25 %.
Darüber hinaus zeigt die Studie auf, dass das Geschlechterungleichgewicht im KI-Sektor grundsätzlich stärker ausgeprägt ist als auf dem Gesamtarbeitsmarkt und betont die Notwendigkeit, die Branche bei Maßnahmen zur Förderung der Geschlechterdiversität gesondert ins Auge zu nehmen. Das gilt umso mehr angesichts der Tatsache, dass diversere Teams bei der Entwicklung von Technologien bestehende Verzerrungen und Vorurteile (sogenannte Biases) in KI-Systemen verringern könnten und dass mit dem Fehlen weiblicher Talente ein erheblicher Potenzialverlust einhergeht. Es bedarf daher vielfältiger Maßnahmen, von der Ausbildungsförderung von Frauen in MINT-Bereichen bis hin zu inklusiveren Arbeitskulturen, um nachhaltig mehr Frauen den Weg in KI-Karrieren zu ebnen, so der Schluss der Studie.
Globaler KI-Arbeitsmarkt: Frauen stark unterrepräsentiert
Die KI-Branche leidet weltweit unter einem erheblichen Gender-Gap. Vorreiter wie Lettland und Finnland zeigen, dass es auch anders geht.
Veröffentlicht: 2024Herausgeber: interface


