Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die Entwicklung von Online-Stellenausschreibungen mit KI-Bezug zwischen 2019 und 2024 untersucht. Die Analyse zeigt, dass der erwartete Boom am Arbeitsmarkt bislang ausgeblieben ist – und dies in einer Phase, in der die deutsche Wirtschaft mit anhaltenden Konjunkturproblemen und einem spürbaren Fachkräftemangel konfrontiert ist. Statt einer starken Dynamik lässt sich eher eine Stagnation beobachten: Der Anteil der ausgeschriebenen Stellen mit KI-Bezug stieg in fünf Jahren lediglich von 1,1 % (2019) auf 1,5 % (2024). Besonders auffällig ist die Entwicklung in den letzten beiden Jahren: Seit 2023 ist kaum noch ein Zuwachs zu erkennen, 2024 sank die Zahl der Stellen sogar von rund 181.000 auf 152.000.
Ein genauerer Blick auf die Art der Ausschreibungen verdeutlicht, dass der Schwerpunkt weiterhin auf der Entwicklung von KI liegt. Rund 1 % aller Stellenausschreibungen beziehen sich auf diesen Bereich, während etwa 0,4 % den praktischen Einsatz von KI-Anwendungen betreffen. Treibende Kräfte sind vor allem der IT- und Computer-Science-Sektor sowie große, international operierende Unternehmen. Regional konzentrieren sich die Ausschreibungen im Südwesten Deutschlands, wo viele forschungs- und technologieintensive Industrien angesiedelt sind.
Die Autorinnen und Autoren der Untersuchung zeigen sich besorgt, dass Deutschland Gefahr läuft, vorhandene Potenziale nicht ausreichend zu nutzen. Gerade im Hinblick auf die umfangreichen Datenbestände und die international anerkannte KI-Forschungslandschaft sei es problematisch, wenn es nicht gelingt, diese Vorteile auch in Beschäftigung und wirtschaftliche Wertschöpfung zu übersetzen.


