Die Studie des bidt gibt Einblicke in die Stimmungen und Meinungen der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland zu Künstlicher Intelligenz (KI). Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung zeigen u. a., wie weit Wissen über KI verbreitet ist, ob KI eher als Chance oder als Gefahr wahrgenommen wird und wie die Rolle des Wirtschaftsstandortes Deutschland in Sachen KI eingeschätzt wird. Ferner wurde erhoben, ob die Befragten mehr staatliche Regulierung und Kontrolle von KI für nötig erachten. Ein zentraler Befund ist, dass nur wenige Befragte ein tieferes Verständnis von KI besitzen.

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Daten zu den Abbildungen

Das Wichtigste in Kürze

Die voranschreitende Digitalisierung betrifft immer mehr Bereiche des Lebens. In Zukunft wird vor allem Künstliche Intelligenz (KI) beeinflussen, wie Aufgaben erledigt oder Entscheidungen getroffen werden. Die Politik hat in verschiedenen Ländern die Bedeutung von KI erkannt und nationale Strategien zur Förderung dieser Schlüsseltechnologie formuliert.

Wie die Stimmungen und Meinungen zu KI in Deutschland sind, hat das bidt in einer kurzen repräsentativen Onlinebefragung von 1.000 erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzern untersucht. Die Ergebnisse zeigen:

Kenntnisse über KI: Ein tiefes Verständnis liegt noch nicht vor

Rund drei Viertel der Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland gibt in einer Selbsteinschätzung an, kein tiefer gehendes Verständnis des Begriffs KI zu haben. Unter jüngeren Befragten ist dieser Anteil geringer als unter älteren.

Viele der Befragten trauen sich keine Einschätzungen zu. Zwischen 20 % und 25 % der Befragten geben zu den in der Umfrage gestellten KI-spezifischen Fragen kein Urteil ab. Bei Frauen ist dieser Anteil höher als bei Männern.

KI – Gefahr oder Chance: KI wird mehrheitlich als Chance und nicht als Gefahr gesehen

Die Einschätzungen variieren allerdings mit Alter und Bildungsstand. In der Altersgruppe der mitten im Berufsleben stehenden 35- bis 54-Jährigen halten sich die Beurteilungen von KI als Gefahr oder als Chance in etwa die Waage. Bei Personen mit niedriger oder mittlerer formaler Bildung überwiegt die Einschätzung von KI als Gefahr.

Internationaler Wettbewerb um KI: Deutschland wird derzeit nicht als Vorreiter gesehen

China, gefolgt von Japan und den USA werden auf dem Gebiet der KI deutlich häufiger als führend genannt als Deutschland.

Weit verbreitet ist die Ansicht, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland Gefahr läuft, im internationalen Wettbewerb abgehängt zu werden. Rund die Hälfte aller Befragten stimmt dieser Aussage zu. Unter denjenigen mit höherer formaler Bildung sind es gar zwei Drittel.

Regulierung von KI: Die Befragten fordern mehr Regulierung und Kontrolle

Etwa die Hälfte der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland wünschen sich mehr staatliche Kontrolle und Regulierung von KI. Nur jeder Siebte ist hier gegenteiliger Ansicht.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass große Teile der Bevölkerung in Deutschland wenig über KI wissen. Die Politik sollte daher ein Hauptaugenmerk auf die Wissensvermittlung und Bildung legen. Dabei wird es nicht reichen, nur Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Wissenschaft und Wirtschaft oder weiterbildungswillige Berufstätige zu adressieren. Vielmehr bedarf es einer Wissensvermittlung an alle Bevölkerungsgruppen, um einen aufgeklärten Umgang mit KI und mehr Akzeptanz von KI zu erreichen.

An breite Bevölkerungsschichten gerichtete Onlinekurse stellen eine Möglichkeit dar, breite Aufklärung in Sachen KI zu betreiben. Wie ein erfolgreiches Beispiel aus Finnland zeigt, muss die Politik derartige Kurse aber auch in Partnerschaft mit dem Privatsektor umfassend bewerben und die Bevölkerung zu einer breiten Teilnahme motivieren.

Diejenigen Befragten, die sich eine Einschätzung zutrauen, sehen zum einen Gefahren für den Wirtschaftsstandort Deutschland im Bereich KI. Dies spricht für politische Eingriffe, die auf den Stärken Deutschlands aufbauen und an den Schwächen ansetzen, um zu positiven Wirtschaftseffekten zu führen. Zum anderen äußern die Befragten auch den klaren Wunsch nach mehr staatlicher Kontrolle und Regulierung von KI. Somit sollte die Förderung von KI nicht gleichgesetzt werden mit einer unreflektierten Unterstützung eines breiten Einsatzes von KI gerade auch in kritischen Bereichen. Beim Streben der Politik, Deutschland, aber auch Europa zu einem führenden Standort für KI zu machen, müssen vielmehr auch die Ängste und Sorgen der Bevölkerung Berücksichtigung finden. Die KI-Strategie der Bundesregierung sowie das jüngst von der Europäischen Kommission vorgestellte Weißbuch zu KI enthalten dafür wichtige Ansätze. Diese müssen nun konkretisiert und umgesetzt werden. Neben der Mobilisierung privater Investitionen in KI und einem verbesserten Technologietransfer sind auch ethische, datenschutzrechtliche und andere regulatorische Aspekte von Bedeutung. Um Vertrauen bei der Bevölkerung zu schaffen, sollte zudem verstärkt auf europäischer Ebene zusammengearbeitet und ein Flickenteppich von Maßnahmen in Europa vermieden werden.

Kontakt

Ansprechpartner zur Studie: Dr. Roland A. Stürz, Abteilungsleiter Think Tank
Ansprechpartnerin für Presseanfragen:  Margret Hornsteiner, Abteilungsleiterin Dialog