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Transforming digitally: Digitale Innovationen zur erfolgreichen Gestaltung des organisationalen Wandels (DIOW)

Dieses Vorhaben untersuchte, wie digitale Innovationen in organisationalen Veränderungsprozessen eingesetzt werden können, um bekannten Herausforderungen besser zu begegnen und die geringen Erfolgsraten von Veränderungsprojekten zu steigern. Das multidisziplinäre Forschungskonsortium verknüpfte drei sich ergänzende Perspektiven aus Wirtschaftsinformatik, Soziologie und Management, um die Chancen und Risiken von digitalen Innovationen zur Gestaltung organisationalen Wandels (DIOW) ganzheitlich zu erforschen.

Projektbeschreibung

Wie können digitale Innovationen in organisationalen Veränderungsprozessen eingesetzt werden, um bekannten Herausforderungen besser zu begegnen und die geringen Erfolgsraten von Veränderungsprojekten zu steigern? Dieser Frage ging das interdisziplinär besetzte Projektteam nach.

Das Forschungsprojekt Transforming digitally (DIOW) untersuchte, wie digitale Innovationen dazu beitragen können, Veränderungsprozesse in Organisationen erfolgreicher zu gestalten. Ziel war es zu verstehen, wie digitale Technologien Change-Management-Prozesse unterstützen, verändern und mitgestalten können. Dabei wurden Chancen, Risiken und Wirkmechanismen des Einsatzes digitaler Technologien im organisationalen Wandel analysiert.

Das Projekt wurde interdisziplinär durchgeführt und vereinte Perspektiven aus Managementforschung, Wirtschaftsinformatik und Soziologie. Diese Kombination ermöglichte einen umfassenden Blick auf die technischen, organisatorischen und sozialen Dynamiken digital-unterstützter Veränderungsprozesse.

Im ersten Arbeitspaket wurden die theoretischen, empirischen und technologischen Grundlagen gelegt. Eine systematische Literaturanalyse zeigte, dass zwar umfangreiche Forschung zur digitalen Transformation und zum Change-Management vorliegt, jedoch bislang kaum Studien existierten, die sich mit der gezielten Nutzung digitaler Technologien in Veränderungsprozessen befassen. Aufbauend darauf entwickelte das Projekt einen konzeptionellen Rahmen, der Aufgaben-, Stakeholder- und Technologiesicht integrierte und somit als theoretisches Fundament für die weiteren empirischen Arbeiten diente.

Im zweiten Arbeitspaket erfolgte eine vertiefte qualitative Exploration des Phänomens. Eine mehrstufige Delphi-Studie mit über 70 Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis identifizierte zentrale Chancen und Risiken digitaler Innovationen im Change-Management. Als Potenziale wurden insbesondere die Steigerung von Transparenz, Beteiligung und Personalisierung benannt, während Risiken in Bereichen wie Datenschutz, Überwachung und ethischen Spannungsfeldern gesehen wurden. Ergänzend untersuchten Interviews mit Betriebsräten, Führungskräften und Mitarbeitenden, wie Vertrauen, Partizipation und der kritische Umgang mit Daten die Akzeptanz digitaler Technologien im Wandel beeinflussen. Die Ergebnisse zeigten, dass der erfolgreiche Einsatz digitaler Tools stark von der organisationalen Einbettung und der transparenten Gestaltung von Entscheidungsprozessen abhängt.

Das dritte Arbeitspaket widmete sich konkreten Unternehmensfallstudien. In Kooperation mit einem internationalen Industriekonzern wurde über zweieinhalb Jahre der Ansatz des Data-Driven Change (DDC) untersucht – ein datenbasiertes System zur Steuerung von Veränderungsprojekten. Die Ergebnisse zeigten, dass DDC nicht nur neue digitale Werkzeuge bereitstellt, sondern tiefgreifende Veränderungen in der Steuerung und Wahrnehmung von Wandel auslöst. Die zunehmende Quantifizierung von Veränderungsprozessen führt zu neuen Formen der Messbarkeit und Effizienz, bringt jedoch auch Spannungen für Change-Manager:innen mit sich, die zwischen professioneller Erfahrung und datengetriebenen Erwartungen agieren.

Darüber hinaus entwickelte das Projekt eine multidimensionale Skala zur Erfolgsmessung von organisationalem Wandel, die prozessuale, individuelle und organisationale Dimensionen integriert. Ergänzend entstanden Designprinzipien für digitale Systeme im Change-Management, die auf eine wirksame, verantwortungsvolle und akzeptanzfördernde Gestaltung solcher Technologien abzielen.

Zusätzlich wurden in verschiedenen Branchen – von der Industrie bis zum Einzelhandel – weitere Fallstudien durchgeführt, etwa zur Einführung digitaler Lernplattformen und KI-gestützter Mitarbeitersysteme. Diese Untersuchungen verdeutlichten, wie sich durch den Einsatz digitaler Innovationen Rollenverständnisse, Entscheidungslogiken und Lernprozesse in Organisationen verändern.

Insgesamt zeigte das Projekt, dass digitale Innovationen den organisationalen Wandel tiefgreifend transformierten – nicht nur durch neue technologische Werkzeuge, sondern auch durch neue Formen der Steuerung, Zusammenarbeit und Sinngebung. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Forschungseinrichtungen ermöglichte es, ein ganzheitliches Verständnis dieser Entwicklungen zu gewinnen und sowohl theoretische als auch praxisorientierte Impulse für die Gestaltung digitaler Veränderungsprozesse zu liefern.

Die Projektergebnisse wurden in wissenschaftlichen und praxisnahen Publikationen veröffentlicht, auf internationalen Konferenzen präsentiert, in die universitäre Lehre integriert und auch in Vorträgen an Praxisakteure transferiert. Damit leistete Transforming digitally (DIOW) einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung eines digitalen, datenbasierten und zugleich menschengerechten Change-Managements.

Das Projekt wurde zum 30. September 2025 abgeschlossen.

Ansprechpartner

Forschung

Projektteam

Prof. Dr. Sven Laumer

Inhaber, Schöller Stiftungsprofessur für Wirtschaftsinformatik, insb. Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft | Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Prof. Dr. Sabine Pfeiffer

Mitglied im bidt-Direktorium | Lehrstuhlinhaberin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Technik, Arbeit, Gesellschaft, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Saskia Hasreiter

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin, Institut für Leadership und Organisation | Ludwig-Maximilians-Universität München

Dr. Rouven Kanitz

Assistenzprofessor, Rotterdam School of Management | Erasmus University

Prof. Dr. Martin Högl

Vorstand, Institut für Leadership und Organisation | Ludwig-Maximilians-Universität München

Bastian Brechtelsbauer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand, Schöller-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insb. Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft | Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Dr. Katja Schönian

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Post-Doktorandin, Lehrstuhl für Soziologie mit dem Schwerpunkt Technik – Arbeit – Gesellschaft | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

From Insight to Action:
Praxisrelevante Implikationen aus interdisziplinären bidt-Forschungsprojekten für die Gestaltung des digitalen Wandels in Unternehmen

Die Publikation bündelt praxisorientierte Erkenntnisse zum digitalen Wandel von Organisationen aus vier interdisziplinären Forschungsprojekten am Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt). Die Beiträge beleuchten unterschiedliche Herausforderungen des digitalen Wandels und tragen damit zu einem tieferen Verständnis der organisationalen Dynamiken und komplexen Wechselwirkungen digitaler Transformationsprozesse bei. Die Publikation richtet sich gezielt an Praktikerinnen und Praktiker und bietet konkrete, praxisnahe Handlungsorientierungen für eine evidenzbasierte und verantwortungsvolle Gestaltung der digitalen Transformation in Organisationen.