ANALYSEN UND STUDIEN

Digitalisierung durch Corona? Homeoffice im Februar 2021

Publikation
Von Dr. Roland A. Stürz, Christian Stumpf, Antonia Schlude, Hannes Putfarken (bidt Think Tank) | Prof. Dietmar Harhoff, Ph. D. (Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, bidt Direktorium)

Mit der am 27. Januar 2021 in Kraft getretenen Arbeitsschutzverordnung sind Unternehmen angehalten, Homeoffice so weit wie möglich anzubieten. Mit seiner jüngsten, dritten Befragungswelle zu Homeoffice in Deutschland untersucht das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) die aktuelle Verbreitung von Homeoffice in Deutschland und die Auswirkungen dieser Verordnung.

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Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales reagierte im Januar 2021 mit einer neuen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung auf die hohen Coronainzidenzwerte. Losgelöst von der auf der arbeitspolitischen Agenda stehenden Regulierung von Homeoffice hat die neue Arbeitsschutzverordnung das Ziel, das Risiko von Coronavirusinfektionen bei der Arbeit zu minimieren und die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten zu schützen. Sie enthält neben weiteren Maßnahmen zur Kontaktreduktion im Betrieb auch eine Regelung zum Homeoffice. So haben „Arbeitgeber […] den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen“ (Bundesanzeiger 2021). Die Verordnung trat am 27. Januar 2021 in Kraft und gilt bis einschließlich 30. Juni 2021.

Inhalt

Homeoffice-Befragung Februar 2021

Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) nahm die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung zum Anlass, die Auswirkungen dieser Verordnung auf die Verbreitung und Akzeptanz der Arbeit im Homeoffice zu beleuchten. Dazu führte das bidt vom 4. bis 8. Februar 2021 – also kurz nach Inkrafttreten der neuen Verordnung – eine repräsentative Kurzbefragung durch. Unter Nutzung von Google Surveys wurden 1.564 erwachsene berufstätige Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland befragt. Die Befragung ergänzt die beiden zuvor vom 27. bis 29. März 2020 sowie vom 12. bis 15. Juni 2020 durchgeführten Befragungswellen des bidt. Dies erlaubt eine Analyse der Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice im Zeitverlauf. Im Folgenden die Ergebnisse im Überblick.

Mehrheit glaubt an Wirkung der Arbeitsschutzverordnung

Eine deutliche Mehrheit von 61 % der erwachsenen berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer stimmt der Aussage zu, dass durch die aktuelle Verordnung die Nutzung von Homeoffice insgesamt ansteigen wird. Lediglich 18 % sind der gegenteiligen Ansicht.

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Arbeitsschutzverordnung zeigt schnelle Effekte

Die Erwartung einer positiven Wirkung der neuen Arbeitsschutzverordnung in Sachen Homeoffice spiegelt sich auch im tatsächlichen Verhalten der Arbeitgeberseite wider. So berichten rund 34 % der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass die Arbeitgeberseite die Homeoffice-Möglichkeiten aufgrund der Verordnung ausgeweitet habe. Während 26 % aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die angebotene Ausweitung auch nutzen wollen, gilt dies für 8 % nicht. Bei rund zwei Drittel aller befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erfolgte bisher keine Ausweitung von Homeoffice. Dies lag entweder daran, dass die Arbeitgeberseite nicht auf die Verordnung reagierte (14 %) oder dass eine weitere Ausweitung nicht möglich war. So geben 14 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, dass die Homeoffice-Möglichkeiten bereits ausgeschöpft sind, 39 % berichten, dass ihre Tätigkeiten kein Homeoffice zulassen.

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Vor allem bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Schreibtischtätigkeiten, aber auch bei Personen mit Tätigkeiten in den Bereichen Unterricht, Ausbildung und Beratung kam es durch die Verordnung in vielen Fällen noch einmal zu einer Ausweitung von Homeoffice. Bei allen anderen Tätigkeiten – wie zum Beispiel dem Herstellen von Waren, der Beförderung von Personen oder Waren oder bei Heil- und Pflegetätigkeiten – hat die Verordnung nur in wenigen Fällen zu einer Ausweitung der Arbeit von zu Hause aus geführt. Dies ist größtenteils darauf zurückzuführen, dass Homeoffice bei diesen Tätigkeiten allgemein nicht möglich ist.

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Homeoffice-Nutzung so hoch wie nie

Gegenüber Juni des letzten Jahres ist die Nutzung von Homeoffice deutlich gestiegen. Rund die Hälfte aller erwachsenen berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer befindet sich aktuell mindestens ab und zu im Homeoffice. Im Vergleich zur Homeoffice-Nutzung während des ersten Lockdowns im März 2020 hat die Nutzung noch einmal um 6 Prozentpunkte zugelegt. Sie liegt damit nun 14 Prozentpunkte über dem berichteten Vorkrisenniveau von 35 %. Die Nutzung von Homeoffice mehrmals pro Woche ist gegenüber Juni 2020 erheblich gestiegen. So arbeiten aktuell etwa 41 % der berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer mehrmals pro Woche von zu Hause aus. Dieser Anteil hat sich damit gegenüber der Zeit vor der Coronakrise verdoppelt.

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Betrachtet man die Homeoffice-Nutzung nach der an einem typischen Arbeitstag überwiegend ausgeübten Tätigkeit, sind es vor allem Personen mit Schreibtischtätigkeiten, die gegenwärtig Homeoffice nutzen können. So sind rund 78 % der berufstätigen, vorwiegend am Schreibtisch arbeitenden Internetnutzerinnen und -nutzer derzeit zumindest ab und zu im Homeoffice tätig. 68 % arbeiten sogar mehrmals pro Woche von zu Hause aus. Auch bei Personen mit Tätigkeiten in den Bereichen Unterricht, Ausbildung und Beratung ist die Homeoffice-Nutzung relativ hoch. Hingegen befinden sich nur wenige Befragte mit anderen Tätigkeiten – wie zum Beispiel dem Herstellen von Waren, der Beförderung von Personen oder Waren oder bei Heil- und Pflegetätigkeiten – im Homeoffice. Bei ihnen nutzt lediglich ein Anteil von 14 % Homeoffice ab und zu, nur jeder Zehnte mehrmals pro Woche.

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Homeoffice-Potenzial bei häufiger Nutzung weitgehend ausgeschöpft

In der neuen Befragungswelle im Februar 2021 wurden die erwachsenen berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer um eine Einschätzung gebeten, wie häufig ihre aktuellen beruflichen Tätigkeiten Homeoffice maximal zulassen würden. Die Einschätzung zum persönlichen Homeoffice-Potenzial sollte dabei unabhängig davon angegeben werden, ob die Arbeitgeberseite Homeoffice erlaubt oder ob ein solches Angebot überhaupt genutzt werden würde.

Die subjektive Bewertung des Potenzials für die Nutzung von Homeoffice kann der tatsächlichen Nutzung gegenübergestellt werden. Daraus wird erkenntlich, inwieweit das Potenzial derzeit ausgeschöpft ist. Es zeigt sich, dass derzeit etwa 26 % aller Berufstätigen (fast) ausschließlich im Homeoffice sind. Allerdings geben nur rund 19 % der Befragten an, dass sich ihre Tätigkeiten auch (fast) ausschließlich im Homeoffice ausüben lassen. Bei dieser Gruppe ist das Homeoffice-Potenzial damit aktuell bereits mehr als ausgeschöpft. Eine Reduzierung der Homeoffice-Nutzung nach der Coronakrise erscheint somit bei dieser Gruppe der Befragten erforderlich, damit den jeweiligen Tätigkeiten überhaupt sinnvoll nachgegangen werden kann.

Betrachtet man nun diejenigen, die mehrmals pro Woche oder (fast) ausschließlich Homeoffice nutzen können, so ergibt sich bei den berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzern ein Potenzial von 46 %. Tatsächlich arbeiten derzeit 42 % mehrmals pro Woche oder (fast) ausschließlich von zu Hause aus. Das bedeutet, dass in dieser größeren Gruppe der Häufig-Nutzenden das Homeoffice-Potenzial bereits weitgehend ausgeschöpft ist. Zu beachten ist dabei auch, dass nicht alle Berufstätigen das mögliche Potenzial ausschöpfen wollen und rund 8 % aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angeben, die gegenwärtig erfolgte Ausweitung der Homeoffice-Möglichkeiten nicht zu nutzen. Eine weitere Ausweitung von Homeoffice erscheint bei dieser Gruppe kaum mit den Tätigkeiten und Präferenzen der Beschäftigten in Einklang zu stehen.

Erweitert man die Betrachtung auf die gelegentliche Nutzung von Homeoffice, steht einem Potenzial von insgesamt 61 % aller berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer eine tatsächliche Nutzung von 49 % gegenüber. Bei Beschäftigten mit einer möglichen Homeoffice-Nutzung etwa einmal pro Woche oder seltener ist das Potenzial demzufolge noch nicht vollständig ausgeschöpft.

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Weiterhin hohe Zufriedenheit mit der Situation im Homeoffice

Die überwiegende Mehrheit der befragten Homeoffice-Nutzerinnen und -Nutzer zeigt sich mit ihrer derzeitigen Situation im Homeoffice weiterhin zufrieden. Insgesamt geben 79 % von ihnen an, eher zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Dies entspricht in etwa dem Anteil der Zufriedenen während des ersten Lockdowns im März 2020. Im Vergleich zum Juni 2020 bedeutet dies einen leichten Rückgang um 6 Prozentpunkte. Ein Anstieg ist jedoch bei denjenigen Befragten zu verzeichnen, die sehr unzufrieden mit ihrer eigenen Homeoffice-Situation sind. Ihr Anteil hat sich gegenüber März und Juni 2020 auf 8 % verdoppelt.

Interessante Unterschiede zeigen sich auch bei den Zufriedenheitswerten nach Homeoffice-Nutzungshäufigkeit. So sind im Februar 2021 47 % derjenigen berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer, die mindestens mehrmals pro Woche im Homeoffice arbeiten, sehr zufrieden. Bei denjenigen, die nur etwa einmal pro Woche oder seltener von zu Hause aus arbeiten, sind es hingegen nur 33 %. Gleichzeitig ist auch der Anteil der sehr Unzufriedenen unter den Häufig-Nutzerinnen und -Nutzern mit 9 % deutlich größer als unter den Wenig-Nutzenden mit nur 2 %. Bei Häufig-Nutzenden sind damit entsprechend die mittleren Kategorien der eher Zufriedenen oder eher Unzufriedenen weniger stark ausgeprägt als unter den Wenig-Nutzenden.

Fazit

Aufgrund der derzeitigen Nutzung von Homeoffice durch Berufstätige mehrmals pro Woche und dem selbst eingeschätzten Potenzial dafür scheint bei den Häufig-Nutzenden das Potenzial weitgehend ausgeschöpft zu sein. Einige Berufstätige, die sich derzeit (fast) ausschließlich im Homeoffice befinden, sind sogar häufiger im Homeoffice, als es ihre Tätigkeiten eigentlich zulassen. Dabei können auch der fehlende persönliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie Kundinnen und Kunden und psychische oder physische Mehrbelastungen im Dauer-Homeoffice eine negative Rolle für die Ausübung der Tätigkeiten spielen. Lediglich im Bereich der Wenig-Nutzenden besteht noch ungenutztes Homeoffice-Potenzial. Nach rund einem Jahr Coronakrise ist das Zufriedenheitsniveau mit der Situation im Homeoffice nach wie vor sehr hoch.

Vieles spricht dafür, dass die Arbeitswelt nach Corona eine andere sein wird als vor Beginn der Pandemie. So scheint ein Wandel der Arbeitswelt in Deutschland durch die coronabedingte Forcierung von Homeoffice weg von der ausgeprägten Präsenzkultur wahrscheinlich. Die hohe Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist die eine Seite, ein Umdenken auf der Arbeitgeberseite die andere. So geben in Unternehmensbefragungen etwa rund die Hälfte oder sogar noch mehr der befragten deutschen Unternehmen an, Homeoffice-Möglichkeiten auch künftig verstärkt anbieten zu wollen (ifo 2020; Fraunhofer IAO 2020; ifo digital 2020). Gleichwohl werden von den Unternehmen auch negative Auswirkungen der jetzigen Homeoffice-Situation wahrgenommen (ifo digital 2020).

Die Nutzung von Homeoffice wird somit nach der Pandemie wohl selbstverständlicher geworden und häufiger als vor der Pandemie möglich sein. Eine ausgewogene Mischung aus Präsenz- und Homeoffice-Tagen sollte dort, wo es möglich ist, zur Regel werden. So können die Vorzüge von Homeoffice mit den Vorteilen der Präsenzarbeit verknüpft und negative Folgen einer übermäßigen Homeoffice-Nutzung vermieden werden. Die Erfahrungen während der Pandemie sollten Anstöße dafür liefern, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sinnvolle Regelungen für die Homeoffice-Nutzung finden.

Ressourcen

Studie

Digitalisierung durch Corona?
Ergebnisse 2020

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Infografik

Homeoffice
im Februar 2021

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AnsprechpartnerInnen

Zur Studie
Dr. Roland A. Stürz
Abteilungsleiter Think Tank
Für Presseanfragen
Margret Hornsteiner
Abteilungsleiterin Dialog

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