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Digitalisierung wird als Umbruch erfahren

Eine Studie am bidt zeigt, wie zentral der digitale Wandel im Privaten und in der Arbeit erlebt wird.

Die Digitalisierung ist im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen, sie spielt in der Arbeitswelt und im Privaten eine zentrale Rolle.
© Simon Abrams / Unsplash
  • Die digitale Transformation wird in der Bevölkerung als gesellschaftlicher Umbruch wahrgenommen
  • Ob die Menschen diesen Umbruch positiv einschätzen, hängt davon ab, ob die wahrgenommenen Veränderungen ihre Handlungsmöglichkeiten verbessern.
  • Die Menschen sollten bei der Gestaltung der digitalen Transformation stärker beteiligt und ihre Handlungsfähigkeit gestärkt werden.

Die Digitalisierung wird mit einem grundlegenden gesellschaftlichen Wandel verbunden. Das zeigt eine sozialwissenschaftliche Studie, für die Personen unterschiedlichen Alters und sozialen Hintergrunds befragt wurden.

„Der öffentliche Diskurs ist stark von der Idee einer German Angst geprägt. Unsere Studie zeigt nun, dass die Digitalisierung differenziert erlebt wird. Insgesamt zeichnet sie das Bild einer Gesellschaft, die nach einem Weg sucht, die neuen Möglichkeiten positiv zu nutzen“, sagt Professor Andreas Boes, Leiter der Studie und Mitglied des bidt-Direktoriums.

Die Menschen bemühen sich, die Digitalisierung in ihr Leben einzubauen.

Thomas Lühr Zum Profil

Aus der Studie geht hervor, dass die Digitalisierung mit mehr als dem Einsatz neuer Technologien verbunden wird. Vielmehr erleben die Menschen grundlegende soziale Veränderungen in ihrem Privatleben, in der Arbeitswelt sowie im gesellschaftlichen Zusammenleben.

„Die Menschen bemühen sich, die Digitalisierung in ihr Leben einzubauen. Je nach ihren persönlichen Bedingungen gelingt es ihnen, das in einen positiven Lebensentwurf umzusetzen oder nicht“, so Thomas Lühr, Wissenschaftler am ISF München und operativ verantwortlich für die Befragung. Er hebt hervor, dass die Menschen oft widersprüchliche Erfahrungen machen. Manche sehen zum Beispiel große Vorteile in ihrem privaten Alltag, während sie in der Arbeit die Digitalisierung als eine Bedrohung erleben, die ihren Arbeitsplatz gefährdet oder die Belastung erhöht.

Angebote zur Information und Kompetenzentwicklung ausbauen

„Wie die Digitalisierung eingeschätzt wird, hängt entscheidend davon ab, wie sie die Handlungsmöglichkeiten der Menschen in ihrer Lebensführung verändert“, folgert Lühr. Das Autorenteam der Studie empfiehlt daher, die Menschen bei der Gestaltung der digitalen Transformation stärker zu beteiligen sowie Angebote zur Information und Kompetenzentwicklung auszubauen.

Zudem gelte es Räume zu schaffen, in denen Menschen auch ihre Befürchtungen und Ängste angesichts der Veränderungen, die mit der digitalen Transformation einhergehen, artikulieren können. „Nur so kann die Gesellschaft einen produktiven Umgang damit lernen und sie positiv für die Gestaltung der digitalen Transformation nutzen“, sagt Andreas Boes. Insgesamt komme für eine erfolgreiche Bewältigung des Umbruchs alles darauf an, die Handlungsfähigkeit der Menschen und der ganzen Gesellschaft zu erhöhen, um Lust auf Zukunft zu machen.

Interviews zum Erleben der digitalen Transformation

Für die qualitative Studie wurden Tiefeninterviews mit 35 Männern und Frauen unterschiedlichen Alters, sozialer Lage und beruflicher Position geführt. Das Sample der Befragten reicht dabei von der Sekretärin oder Callcenter-Mitarbeiterin über Facharbeiter und Softwareentwickler bis hin zum Projektleiter oder Beamten im Öffentlichen Dienst.

Bisherige Studien zeigen kein einheitliches Bild, wie die Deutschen über die Digitalisierung denken.

Thomas Lühr Zum Profil

Die Interviews dauerten in der Regel 90 bis 120 Minuten und zielten darauf, das Erleben der Menschen in der digitalen Transformation ganzheitlich – im Beruf, im Privatleben, in der Familie und im gesellschaftlichen Zusammensein – nachzuvollziehen. „Bisherige Umfragen und Studien zeigen kein einheitliches Bild, was die Deutschen über die Digitalisierung denken und wie sie von ihnen erlebt wird. Deswegen haben wir uns bewusst für den Ansatz einer qualitativen Befragung entschieden, die es erlaubt, die Vielschichtigkeit der Erfahrung des digitalen Wandels zu erfassen“, sagt Lühr. Durchgeführt wurde die Studie vom ISF München, die Interviews fanden im Zeitraum Dezember 2018 bis Juni 2019 statt.

AnsprechpartnerInnen

Pressekontakt

Dr. Margret Hornsteiner

Abteilungsleiterin Dialog, bidt

Anfragen zur Studie

Prof. Dr. Andreas Boes

Mitglied im bidt Direktorium | Vorstand und Institutsrat, ISF München & Außerplanmäßiger Professor für Soziologie, Technische Universität Darmstadt

Thomas Lühr

Sozial- und Politikwissenschaftler, ISF München