Projektbeschreibung
Das Projekt untersuchte, wie ethische Fragen systematisch in die Softwareentwicklung integriert werden können. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Software heute tief in nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche eingreift – etwa in Medizin, Mobilität, Bildung, Verwaltung oder öffentliche Kommunikation – und dabei nie bloß ein neutrales Werkzeug ist. Designentscheidungen in Software haben normative Bedeutung: Sie beeinflussen Handlungsmöglichkeiten, verteilen Chancen und Risiken und prägen soziale Praktiken.
Vor diesem Hintergrund ging das Projekt der Frage nach, wie Software ethisch adäquat entwickelt werden kann. Ein zentrales Ergebnis war, dass abstrakte Leitlinien, Prinzipien und Codes of Ethics zwar Orientierung bieten, für die Praxis aber nicht ausreichen. Sie benennen Werte wie Fairness, Transparenz oder Autonomie, lassen jedoch oft offen, wie diese in konkreten Entwicklungssituationen verstanden, gegeneinander abgewogen und in technische Entscheidungen übersetzt werden sollen.
Das Projekt entwickelte daher einen konzeptionellen Rahmen, der ethische Softwareentwicklung als einen mehrstufigen Prozess versteht. Im Zentrum stehen erstens die Identifikation ethisch relevanter Aspekte, zweitens die deliberative Abwägung von Werten und Konflikten und drittens die Einbettung ethisch angemessener Lösungen in das Softwareartefakt sowie in die dazugehörigen Entwicklungsprozesse. Ethische Reflexion wird damit nicht als nachgelagerte Bewertung verstanden, sondern als kontinuierlicher Bestandteil der Softwareentwicklung selbst.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts lag auf der agilen Softwareentwicklung. Das Projekt zeigte, dass agile Methoden aufgrund ihrer Iterativität, ihrer Teamorientierung und ihrer Nähe zum konkreten Produkt besonders geeignete Ansatzpunkte für ethische Deliberation bieten. Zugleich machte es deutlich, dass ethische Softwareentwicklung nicht allein vom guten Willen einzelner Entwicklerinnen und Entwickler abhängt. Sie erfordert auch organisationale Voraussetzungen wie Zeit, Verantwortung, Kommunikationsräume und geeignete Prozessstrukturen.
Die Ergebnisse des Projekts wurden in mehreren wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht und im Lehrbuch Introduction to Ethical Software Development (Springer) systematisch zusammengeführt. Damit leistet es einen Beitrag dazu, ethische Reflexion in der Softwareentwicklung nicht nur theoretisch zu begründen, sondern auch praktisch anschlussfähig zu machen.
Das Projekt wurde zum 31. Dezember 2025 abgeschlossen.
Ansprechpartner
Forschung
Projektteam
Prof. Dr. Alexander Pretschner
Mitglied im bidt-Direktorium | Professor für Software & Systems Engineering, Technische Universität München | Vorsitzender des wissenschaftlichen Direktoriums, fortiss
Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin
Mitglied im bidt-Direktorium | Professor emeritus für Philosophie und politische Theorie, Ludwig-Maximilians-Universität München
Publikationen

Introduction to Ethical Software Development
Wie kann Software so entwickelt werden, dass ethische Fragen nicht erst im Nachhinein Betrachtung finden, sondern den Entwicklungsprozess von Anfang an begleiten? In ihrem Open-Access-Buch „Introduction to Ethical Software Development“ bündeln Dr. Jan Gogoll und Dr. Niina Zuber zentrale Erkenntnisse aus dem bidt-Forschungsprojekt „Ethik in der agilen Softwareentwicklung (EDAP)“ und schlagen eine Brücke zwischen ethischer Theorie und Softwarepraxis. Das Buch führt in grundlegende Konzepte der digitalen Ethik ein, arbeitet dabei die Besonderheiten von Software als skalierbarer, veränderbarer Technologie heraus und bietet einen systematischen Ansatz, wie sich ethische Deliberation in Entwicklungsprozesse integrieren lässt als Orientierung für Praxis, Produktverantwortliche, Regulierung und Lehre.
Beiträge
Ressourcen
Vortragsübersicht
Sammlung von Fachliteratur

