Projekt
Mediatheken der Zukunft

Im Zeitalter digital-vernetzter Medien sehen sich Nutzer mit einem Übermaß an potenziell abrufbaren Informationen konfrontiert. Für Medienanbieter stellt sich die Frage, wie Nutzern relevante Inhalte nahe gelegt werden. Personalisierung und die Erstellung von Nutzerprofilen für kontext- und nutzungsspezifische Empfehlungen werden vor allem von Technologie-getriebenen kommerziellen Medienanbietern wie YouTube, Netflix und Amazon eingesetzt. Ergänzt um die redaktionelle Erstellung kuratierter Angebote fügt sich die Gewichtung der einzelnen Methoden zur Empfehlung von Inhalten zu dedizierten Plattformstrategien.

Welche Rolle diese Strategien für die Verarbeitung von Inhalten spielen, erweist sich medien- und netzpolitischals zentrale Frage. Denn in die vermeintlich neutralen Ranking- und Empfehlungsalgorithmen sind Präferenzen eingebaut, deren Funktionsweise von Nutzern nur selten verstanden und kaum beeinflusst werden kann. Digitale Angebote öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten stehen dabei vor der Herausforderung, dass sich die entwickelten Plattformstrategien nicht nur an ökonomischen Erfolgskriterien orientieren, sondern im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags zugleich „die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote“ berücksichtigen sollten. Die Erfüllung dieser teils konkurrierenden Ziele – auf der einen Seite Nutzerbindung durch Identifikation und Bedienung bestehender individueller Interessen und auf der anderen die Erfüllung des durch den Rundfunkstaatsvertrag formulierten Auftrags – hat dabei sowohl Konsequenzen für die Nutzung und Wahrnehmung der Inhalte durch die Rezipienten als auch die Arbeitsweise innerhalb der Redaktionen und Entwicklerteams.

Wir untersuchen, wie diese soziotechnische Gestaltungsaufgabe im Rahmen einer konkreten Prototyp-Entwicklung einer Plattform für nicht-lineare Bewegtbild- und Audioangebote realisiert werden kann. Sozial-, medien- und kommunikationswissenschaftliche Forschung fließt dabei reflexiv in die Entwicklung der Plattformstrategie ein. Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei die drei Schnittstellen zwischen PlattformRedaktion und Nutzer. Mittels kollaborativ-ethnographischer Begleitung der Softwareentwicklung, der Analyse der Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Empfehlungsalgorithmen und einer Rezipientenbefragung soll aufgezeigt werden, wie unterschiedliche Plattformstrategien die Produktion und Diversität der Inhalte (Plattform ↔ Redaktion), die Nutzungsmessung und Feedbackintegration (Plattform ↔ Nutzer) sowie die Wahrnehmung und Akzeptanz der Inhalte (Redaktion ↔ Nutzer) beeinflussen.

2018-09-19T17:04:34+00:00

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