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Digitale Transformation von Engineering-Unternehmen – eine Frage der Identität

Das Projekt erforscht den Zusammenhang zwischen digitaler Transformation und organisationaler Identität bei Engineering-Unternehmen

Projektbeschreibung

Digitale Technologien haben das Potenzial, einzelne Unternehmen und gesamte Branchen grundlegend zu verändern. Traditionelle Engineering-Unternehmen, beispielsweise im Automobilsektor oder im Bereich Mess- und Verfahrenstechnik, weisen schon immer einen starken Technologie-Fokus auf. Dieser lag bislang allerdings vorranging im Bereich des „klassischen“ Ingenieurwesens. Digitale Technologien spielten eine eher untergeordnete und unterstützende Rolle im alltäglichen Geschäft. Neue digitale Technologien eröffnen diesen Unternehmen nun in vielfältiger Weise Möglichkeiten für neue Produkt-Features, Dienstleistungen oder völlig neue Geschäftsmodelle. Um solche digitalen Innovationen zu ermöglichen und zukunftsfähig zu bleiben, sehen sich traditionelle Engineering-Unternehmen tiefgreifenden Veränderungen gegenüber. Digitale Transformation bedeutet nicht nur die Einführung digitaler Technologien, sondern umfasst weitreichende organisationale Veränderungen auf vielen Ebenen. Die digitale Transformation berührt die Frage der Wertschöpfung, sie trifft damit den zentralen Nerv des Unternehmens und löst eine Identitätssuche aus.

Digitale Transformation und Unternehmensidentität stehen dabei in einem wechselseitigen Verhältnis. Auf der einen Seite ist die organisationale Identität Ausgangspunkt digitaler Transformation. Sie bildet den Bezugs- und Orientierungsrahmen, vor dem die Potenziale digitaler Technologien wahrgenommen und bewertet werden. Die Unternehmensidentität stellt damit die Weichen für eine digitale Transformation. Sie kann Veränderungsprozesse ermöglichen, aber auch hemmen – und beeinflusst, wie und in welcher Weise digitale Transformation realisiert wird. Auf der anderen Seite werfen die Veränderungen und Neuausrichtungen im Zuge der digitalen Transformation die Frage auf: Wer sind wir als Unternehmen und wer wollen wir in Zukunft sein? Digitale Transformation fordert die aktuelle organisationale Identität heraus und löst einen gemeinsamen Verständigungs- und Neu-Aushandlungsprozess über die (zukünftige) Identität aus.

Die kollektive Identitätssuche im Zuge der digitalen Transformation ist von zentraler Bedeutung, da das Selbstverständnis des Unternehmens nicht nur das Image in der Öffentlichkeit prägt, sondern auch das Handeln und die Identifikation der Beschäftigten im Unternehmen beeinflusst. Die Identitätsfrage lässt sich auch nicht ausschließlich in den Büros der Führungsetage beantworten. Vielmehr muss die Unternehmensidentität als ein kollektiver Verständigungsprozess zwischen den Organisationsmitgliedern verstanden werden. Die Unternehmensidentität ist zudem eng mit der Organisationskultur sowie mit der Unternehmensstrategie verknüpft und spielt eine wichtige Rolle für digitale Transformationsprozesse.

Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären Forschungsansatz, der Perspektiven aus Soziologie und Wirtschaftswissenschaften integriert. Das Projektteam möchte ein tieferes Verständnis des wechselseitigen Zusammenspiels zwischen digitaler Transformation und organisationaler Identität erlangen und Spielräume für die Gestaltung der Herausforderungen im Zuge digitaler Transformationsprozesse in Engineering-Unternehmen aufzeigen. Ein Fokus des Projekts liegt auf der Identifikation möglicher Quellen für Beharrungstendenzen und Widerstände sowie von Möglichkeiten für eine positive Gestaltung der Dynamiken digitaler Transformationsprozesse. Insofern will das Projekt nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse zur digitalen Transformation von Unternehmen generieren, sondern auch Orientierungswissen für eine aktive Gestaltung digitaler Transformationsprozesse in der Praxis liefern.

Projektteam

Prof. Dr. Thomas Hess

Mitglied im bidt Direktorium | Professor für Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre, Ludwig-Maximilians-Universität München

PD Dr. Angela Graf

Projektleiterin, bidt

Lea Müller

Wissenschaftliche Referentin Forschung, bidt

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